Briefe von Onkel Kim
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Sandra S.
...
…hat mir bei wkw indirekt meine ohnehin schon langen Ohren noch länger gezogen.
Ich hätte so lange nichts geschrieben *grummel*
Wie kommt sie darauf? Pfff… da könnte ich ja schon ziemlich beleidigt sein wenn…
die liebe Sandra nicht recht hätte.
Onkel Kim würde sich in der Urne umdrehen wenn er wüsste was er da für einen schreibfaulen Kronprinzen auserkoren hat.
Dann nehm ich einfach mal wieder einen Anlauf und gelobe Beeeessseruuung :-)
Fangen wir an mit dem kleinen, alten Fritz.
Habt ihr das hier auf unserer Internetseite gelesen?
Ich hatte am letzten Sonntag ja zusammen mit Ruth Nachmittagsdienst. Und als ich in die Küche tappte, so wie ich das immer bei Dienstantritt mache, in der Hoffnung dass noch irgendwo Bröckchen herumliegen die ich schnell vernaschen könnte, sah ich ihn.
Noch immer zitternd, aber eng zusammengerollt in warme Decken gekuschelt.
Ruth hatte mir erzählt was seine Besitzer mit ihm gemacht haben.
Erst war ich sprachlos, als ich den alten Kumpel dort liegen sah.
Und dann gab ich Gas und rannte wie ein Verrückter zurück vorne ans Tor.
Ich hatte die aussichtslose Hoffnung die Drecksäcke, die Fritzchen in der Kälte der Nacht in der Einfahrt des Tierheimes angebunden hatten, noch irgendwo zu erschnuppern.
Aber die Feiglinge waren natürlich schon seit Stunden über alle Berge.
Und das war ihr Glück!
Wenn ich sie zwischen die Zähne bekommen hätte, hätte man aus ihren Hintern Gulasch machen können.
Noch nie in meinem Leben habe ich so eine Wut im Bauch gehabt.
Ich hörte allerdings Onkel Kim sagen, dass ich, wenn ich im Büro mitarbeiten und Kronprinz sein wolle,
mich daran gewöhnen müsse, dass schlimme, schier unerträgliche Dinge zu ertragen seien.
Das sei leider Tierheimalltag, doch man dürfe niemals gänzlich die Fassung verlieren.
Die erste Lektion habe ich also am Sonntag bitter erfahren müssen.
Immer wieder fragte ich mich: Wie können Menschen einem so alten, kleinen Hund so etwas antun?
Bei Nacht und Nebel, in bitterer Kälte so einen hilflosen Wurm einfach am Zaun anbinden und wegfahren.
Ob sie sich noch einmal umgedreht haben, als sie sich von ihm entfernten?
Ob sie seine alten, traurigen Äugelchen noch sahen, als sie sich seiner entledigten?
Bäääh, mir wird schlecht wenn ich an diese Widerlinge denke.
Sollen sie ihrer Wege gehen. Er wird dornig genug werden, denn wir Tiere haben die Gewissheit,
dass es einen gerechten Tiergott gibt. Und der regelt das schon.
Öpchen Fritz wurde nun von allen betüddelt was das Zeug hielt.
Am Sonntag wurde er von unseren Stammgassigängern so verwöhnt, dass er abends vor lauter Fleischwurst, Leberwurst, Leckerli usw. vollgefuttert und selig einschlief.
Am Montag dann zockelte er schon wesentlich munterer durch den Vorgarten. Er tänzelte wie ein Wackelpferdchen mit seinen kleinen Hinterbeinchen und schnupperte interessiert überall herum.
Ich hab mal vor seiner Nase das Bein gehoben und einen freundschaftlichen Strahl abgegeben.
Und flupps hob auch Öpchen wackelig das Beinchen und zielte genau auf meine Hinterlassenschaft.
Das hat mir ein breites Lächeln auf mein Gesicht gezaubert.
Heute wurde er von unserer Tierärztin untersucht und entwurmt.
Und wisst ihr was!?
Fritzeöpchens Schutzengel steht ihm nach wie vor zur Seite und genau der hat ihm eine Pflegefamilie beschert *juchhuuu*.
Susan bringt ihn morgen dort hin und wenn ich morgen Nachmittag wieder zum Spätdienst erscheine, wird das Körbchen vor der Heizung leer sein. Und darüber werde ich mich tierisch freuen, denn ich weiss Fritzchen dann in einer Familie die ihn bis zum Rest seines Lebens lieb haben wird.
Was wir noch tun können? Was ICH noch tun kann?
Paten für den kleinen “Alten Fritz” suchen. Zu werben dafür, dass vielleicht jemand dabei hilft seine weitere Versorgung, auch und besonders tierärztlicch zu sichern.
Mal sehen. Vielleicht sorgt Fritzchens Schutzengel ja auch für solch liebe Leute, die seine Patin oder Pate werden wollen.
Das Wichtigste allerdings ist doch nun, dass der “Alte Fritz” zum einen die Nacht des Grauens überlebt hat und zum anderen ab morgen sogar in einer Pflegefamlie wohnen darf.
So kann ich mich nun wieder beruhigt zurücklehnen und mich noch ein bisschen im Internet unsehen.
Ich glaub heute guck ich mir mal die Seite von ANAA an. Das ist das Tierheim in Madrid, von wo ich auch komme. Seit ich im Juni letzten Jahres nach Mayen kam, hab ich da nicht mehr rein geschaut.
Und da ich noch nicht müde bin, mach ich das jetzt mal.
Buenas Noches Amigos ;-)
Euer Wulli
Mittwoch 22.2.12 um 22:55 Uhr
Das ist also nun die Fortsetzung von der letzten Geschichte in der ich euch, liebe Freundinnen und Freunde, von meinem anstehenden Tierarztbesuch berichtet habe.
Sicher fragt ihr nun, warum ich nicht gleich am gleichen Tag hier geschrieben habe.
Das kann ich euch sagen.
Weil ich zu faul war. Ui, nun ist es raus.
…das werde ich morgen wohl müssen.
Oh, ihr Lieben, ich bin noch immer in einer Art Winterstarre.
Diese Kälte geht mir nicht nur auf den Geist, sondern auch auf den Zipfel.
Seit einiger Zeit bin ich auch bei facebook aktiv.
Man sollte ja ap tu däit sein ;-)
Ein Wirrwar ist das, sag ich euch! Zumindest am Anfang. Doch wenn man dran bleibt, arbeitet man sich dann doch rein.
Und in diesen Frieden ging heute mein Mentor, mein bester Freund,
euer Onkel Kim.
Mir fehlen die Worte, bin sehr einsam im Herzen und kann meine Gefühle und Gedanken nicht ordnen.
Doch eines ist wahr:
“Du kannst Tränen vergießen weil er gegangen ist.
Oder du kannst lächeln weil er gelebt hat.
Du kannst die Augen schließen und beten dass er wieder kehrt.
Oder du kannst die Augen öffnen und all das sehen,
was er hinterlassen hat.”
Onkel Kim hinterlässt sehr, sehr viel Gutes und Tiefes.
Was für ein schöner Mittwochmorgen!
Nach dem Schmuddelwetter endlich mal blauer Himmel, etwas kälter und Puderzucker auf Bäumen, Sträuchern und Wiese.
Aber das wollte ich euch eigentlich ja gar nicht schreiben, sondern…
gestern hab ich mich gewickelt :-)
Das hab ich eigentlich noch nie erlebt.
Dass man den Tod als “schön” bezeichnen könnte.
Susan sagte heute Morgen, dass unsere uralte Wilhelmine vergangene Nacht gestorben sei.
“Still und leise. Wie schön!” sagte sie.
Wie schön?
Ich grusele mich vor dem Tod, hab aber dann den Nachruf von Wilhelmine gelesen.
Und seitdem denke ich nach.
Was?
Ich bin unsicher und weiss nicht was los ist
Heute habe ich zu mir gesagt: “Wulli, du musst noch viel lernen und besonders “verstehen” lernen.”
Momentan weiss ich nämlich nicht was mein Onkel Kim meint wenn er sagt ich möge mich darauf einstellen dass er bald auf eine große Reise ginge.
Natürlich fragte ich was er damit meine, doch er schaute mich nur mit sehr müden Augen an und bat mich jeden Tag eine Stunde Zeit für ihn zu haben.
Und das geht nun schon seit kurz nach Neujahr.
Ein dreimal Hoch auf 2012
oder wie wir in dasselbige hinein tanzten
Nun ist es da, das neue Jahr, liebe Freundinnen und Freunde. Und ich hätte vor ein paar Wochen gar nicht gedacht, dass ich Silvester überhaupt noch erleben würde.
Doch da ist ja die Geschichte mit dem Brandner Kaspar, die mir meine lieben Freunde aus Bayern geschrieben haben und seit ich diese Geschichte kenne, weiss ich wie man dem Tod doch immer wieder mal ein Schnippchen schlägt :-)
Aber jetzt zum “guten Rutsch” ins neue Jahr vergangene Nacht.

