Flieg mit den Engeln, lieber Gary!


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Flieg mit den Engeln, guter, alter Freund!

Von uns allen geliebter Gary.
Von uns allen respektierter Gary.
Von uns allen schmerzlich vermisst… Gary.
Von uns niemals vergessen: Gary.

Im Juni 2008 kam ein völlig verstörter, an Herz und Seele gebrochener Hund zu uns. Ursprünglich kam er aus der Türkei, lebte dann jahrelang, zusammen mit einer sehr scheuen Hündin in einem Tierheim im Osten Deutschlands.
Als dieses Tierheim schließen musste, wurden die verbliebenen Hunde im ganzen Land verteilt und so kam Gary zu uns.

Man musste Schlimmes mit ihm getan haben, denn einst war dieser wunderschöne Hund ein stolzer Rüde, der vor nichts und niemandem Angst hatte, bis… wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass sein Ich gebrochen wurde. Durch Schläge, Tritte… man mag es sich nicht weiter vor stellen.

Aus dem starken, stolzen Hund wurde eine ängstliche, gebrochene Seele, die sich niemals von dem erholte, was man ihr angetan hatte.

Wir im Tierheim taten von Anfang an alles, damit er merkt dass wir Menschen nicht nur böse und verletzend sind.
Wir respektierten seine Aussetzer die er immer mal wieder hatte.
Wir lernten ihn und sein Verhalten zu „lesen“ und gingen auf seine Schwächen ein, die einst Stärken waren.

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Sein Misstrauen war so gewaltig, dass er zeitweise niemanden an sich heran ließ. Seine Augen starrten oft ins Leere, sein einziger Halt war seine Hütte in die er sich meistens zurück zog um ja möglichst unsichtbar zu sein.

Die Jahre vergingen.
Gary fing an, ein paar wenigen Menschen zu vertrauen.
Ihnen gestattete er, dass sie ihn anleinten um sogar ein paar Schritte mit ihm spazieren zu gehen.
Diese vier Menschen sollten fortan seine besten Freunde werden.
Er öffnete ihnen sein Herz, er strahlte sie mit leuchtenden Augen an und nicht ein einziges Mal hätte er seine geliebten Freunde auch nur an geknurrt.

Endlich war er in seinem Leben angekommen.
Ein Leben das nie völlig ohne Angst, aber dennoch mit vielen glücklichen Momenten wurde.

Es entwickelte sich so wunderbar, dass er fast jeden Tag von einem dieser lieben Menschen ausgeführt wurde. Mal ging er stundenlang mit durch die Wälder und Felder, ein andermal wollte er nur mal eben kurz um die Ecke.
Alles war gut und richtig für ihn, für seine Menschenfreunde und für uns.

Vor 3 Tagen ist er noch eine doch etwas längere Strecke mit marschiert.
Mit seinen mittlerweile fast 16 Jahren eine wahre Glanzleistung.

Vor 2 Tagen lag er viel auf seinem, speziell für ihn und seine alten Knochen angeschafften Hundebett und wollte nicht mehr so recht auf stehen.

Gestern Morgen dann, konnte er nur noch mühsam aufstehen, fiel mehrfach hin und schrie dann kurz auf vor Schmerz.
Sofort kam eine seiner Vertrauten zu ihm, bettete ihn behutsam auf sein Bett und deckte ihn schön warm zu. Es hieß nun, ihn mit Argusaugen zu beobachten.
War es einfach nur ein kurzer Schwächeanfall?
Der alte Herr hatte immer einmal wieder einen solchen, der aber dann schnell vorüber war und er dann wieder gut auf den Beinen war.

So nicht gestern.
Gary`s Augen hatten sich verändert. Sie zeigten ganz unmissverständlich, dass seine Zeit hier auf Erden unweigerlich dem Ende zu ging.

Er sagte uns:“ Ich kann nicht mehr. Ich bin alt und müde. Helft mir, dass ich in Würde gehen darf und kann.“

Am Nachmittag rappelte er sich noch einmal auf und schleppte sich in seine geliebten Garten, in dem er im Laufe der Jahre unzählige Löcher gebuddelt hatte. Das war sein großes Hobby und Leidenschaft.

In einem dieser Mulden lag er gestern. Unfähig sich noch einmal zu bewegen.

Wir verstanden seinen Hilferuf. Wir verstanden dass Gary gehen wollte.

Hilde, Martina, Karin.
Seine allerallerbesten und treuesten Freundinnen der ersten Stunde kamen und standen ihrem Freund zur Seite.
Sie trugen ihn behutsam ins Hundehaus, setzten sich zu ihm, streichelten ihn, gaben ihm Ruhe und Halt. Und das Vertrauen, dass alles getan würde, damit ihr langjähriger Freund mit allem Beistand gehen durfte, den man nur geben konnte.

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Gary ließ sich fallen. Er ließ völlig los und war bereits ein wenig in der anderen Welt als unsere Tierärztin kam.

Es brauchte nicht viel medizinische Unterstützung.
In den Armen seiner geliebten Freundinnen flog seine Seele davon.
Nun war sie nicht mehr gebrochen und verletzt.
Sie flog frei und glücklich in das grenzenlose Irgendwo, dem Himmel entgegen.
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Leise, tieftraurig und mit Tränen in den Augen umarmten sich die drei Frauen.
Eine Traurigkeit war zugegen, die jedoch auch Glück und Annahme beinhaltete.
Gary´s Vertrauter Arthur konnte leider nicht dabei sein, doch auch er war in diesem Moment auf eine Art und Weise anwesend, die man nicht beschreiben kann.

Wir alle schauten noch eine ganze Weile auf den verstorbenen Gary und in den regenverhangenen Himmel und wir wussten dass Gary´s Seele noch lange bei uns war, bevor sie von dannen zog.
Diese Anwesenheit seiner Seele war Gary´s Dankeschön an uns und an seine vertrauten Freunde.

Sein Dankeschön, dass er bei uns in Mayen, trotz seiner oft schwierigen Art glücklich werden konnte.

Morgen ist Heiliger Abend.
Gary´s sanftes Dahingehen war voller Frieden.

Diesen Frieden möchten wir in die Weihnachtszeit und in das Jahr 2019 mit nehmen und Euch allen dort draussen in der Welt ein Friedenslicht an zünden.
Gary war fast 16 Jahre alt und hat uns gelehrt mit Wunden an Herz und Seele leben zu können, Jeder hat sein Schicksal zu tragen.
In schweren Stunden denken wir an diesen wundervollen, alten Hund und seine Geschichte.

Danke Gary. Danke für alles was wir durch dich lernen durften.
Danke an Hilde, Martina, Arthur und seine lieben Paten, die ihm alle das Leben glücklicher machten.

Nun sei frei, ohne Schmerzen und flieg mit den Engeln!
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