Gewickelt :-)


Was für ein schöner Mittwochmorgen!

Nach dem Schmuddelwetter endlich mal blauer Himmel, etwas kälter und Puderzucker auf Bäumen, Sträuchern und Wiese.

Aber das wollte ich euch eigentlich ja gar nicht schreiben, sondern…

gestern hab ich mich gewickelt :-)

Nein, nicht so wie mein Mentor und allerbester Freund Onkel Kim jeden Abend gewickelt wird, nämlich mit Handtüchern, damit er einigermaßen trocken die Nacht übersteht.

Ich habe mich gewickelt weil Onkel Kim mich gestern zu etwas animiert hat, was er auch immer getan hat, wenn er sich über etwas zu freuen gab.
Ob diese Satzstellung so in Ordnung ist, weiss ich nicht. Tut mir leid wenn die Augen von Pädagogen evtl.
beleidigt werden beim lesen meiner Einträge, aber ich bin nun mal Spanier, bin noch unter Onkel Kims Fittichen und lerne Tag für Tag ein bisschen dazu.

Also schreibe ich wie mir die Schnauze gewachsen ist und ich glaube schon dass ihr versteht was ich meine.
Schließlich sind die Onkel Kim Fans nicht doof.

Nun aber der Grund warum ich mich gewickelt habe.
Ach was sag ich: viele, viele Gründe gab es!

Der Dienstag gestern war einfach nur megageil.
Oh, Onkel Kim schaut gerade nicht sehr freundlich, wei ich „geil“ geschrieben habe.

Allerdings hat Lena mir gesagt, dass „geil“ salonfähig sei und nichts anstößiges.

Ich behaupte also dass der gestrige Tag megageil war :-)

Kaum war es 14 Uhr und die Besuchszeit begann, da ging es schon los:

Nach kurzer Zeit war schon kein einziger Parkplatz mehr zu bekommen und das Büro stand voll mit netten Menschen. Ich betone NETT, weil es in einem Tierheim ja oft auch ganz anders ist und manche Zeitgenossen alles andere als nett sind.

Und jetzt passt auf was alles geschah:

Es wurden Tierabgabeverträge gemacht. Das sind die Dokumente mit denen Tierheimtiere an ihre neuen Besitzer vermittelt werden. Das heisst, mit der Unterschrift des Interessenten ist dieser dann das neue Herrchen, bzw. Frauchen des jeweiligen Tierheimtieres.

Und gestern wurden mit besagtem Vertrag vermittelt:

Lady, die wunderschöne Langhaarkatze

Lou, der mächtige Main-Coon Kater aus Zimmer 2

Josie, das Hundemädchen das extrem traumatisiert aus Ungarn zu uns kam und nun ein lebensfroher, glücklicher Hund ist

Struppi, der zusammen mit Josie zu uns kam und nun „Winzer'“ an der Mosel ist

Indy, der weisse Bulli, der nun bei einem supernetten Typen wohnt, der ihn liebt und keinerlei Vorurteile dieser bezaubernden Rasse gegenüber hat.

Und dann noch: Tätätätätäää…

FINN Ja, ihr habt es richtig gelesen!! Unser bisheriges Sorgenkind.
Seit Mai saß unser trauriger Schmusebär im Tierheim. Wartete, wartete und wartete.
Gut, ich hab ihn zwar ab und zu mal angemotzt, weil er mich anmotzte, doch dann war auch wieder alles gut zwischen uns.

Als er gestern mit seinem neuen Frauchen und seinem neuen Herrchen bei uns war, kamen mir zugegebener Maßen ein paar Freudentränchen in meine Bernhardineraugen geschossen.
Zum Glück kullerten sie nicht da raus, sonst hätte meine Männlichkeit Finn gegenüber doch erheblich gelitten ;-)

Finn stand da in neuem Outfit: ein tolles Brustgeschirr auf dem Stand „Fitnesstrainer“.
Na, das passt doch. Schließlich betreibt Robby, sein neuer Besitzer, ein großes Fitnessstudio und Finn durfte schon ein paar Mal mit dort hin.

Ich glaube er wird dort in kürzester Zeit das Maskottchen der schwitzenden und strampelnden Sportler und Oberaufseher des Studios :-)

Als dann gestern alle Formalitäten erledigt waren, wollten alle im Tierheim Finn noch einmal knuddeln; ihm auf Wiedersehn sagen und ihm ganz, ganz viel Glück wünschen.

Finn wusste was das hieß. Nie mehr im „kleinen Winkel“ im Tierheim wohnen müssen. Nie mehr die Nächte einsam verbringen. Nie mehr traurig sein wenn die Tierheimmenschen abends das Licht aus machten und nach Hause gingen. Nie mehr Sehnsucht nach „eigenen Menschen“ zu haben. Nie mehr traurig sein müssen.

Und als er dann stolz wie Oskar zwischen seinen „eigenen Menschen“ das Tierheimgelände verließ um nach Hause zu fahren, spürte jeder eine ganz besondere Glückseligkeit.

Wie schöööööööön!!

Ich war auch so glücklich ob dieses Tages, dass ich Onkel Kim sagte, dass ich gar nicht wüsste wohin mit meinen Glücksgefühlen.

Er lugte aus seiner Kuscheldecke heraus in die er eingewickelt war, lächelte und flüsterte:“ Mach einen Purzelbaum! Mach einen Purzelbaum und lass deine Freude dadurch heraus. Ich hab das auch immer gemacht wenn mein Herz vor Freude über zu laufen schien.“

Oh, Onkel Kim! Du toller, toller, alter, weiser Hundemann.

Ja, dann gings los:

Ich rannte ans Tor, schickte Finn und seiner neuen Menschenfamilie ein ganz lautes „Hou, Hou, Hou“ hinterher (ich mache nämlich nicht Wau, sondern ein tiefes, tiefes Hou),
drehte mich um nahm einen mächtigen Anlauf und vollführte vor den belustigten Augen von Onkel Kim einen ungekonnten „Wickelbaum“.

Von Purzelbaum konnte da absolut keine Rede sein :-)

Genau als ich mich während des Anlaufs nach vorne schwang, überholte mich mein eigenes Hinterteil, rollte sich über meinen langen Rücken um dann unter meinem Kinn als Bremse zu fungieren.

Wie ein gewickelter Rollmops lag ich da und Onkel Kim kicherte sich eins.

Mit Mühe konnte ich ein klägliches „Hou“ hervor bringen, so dass Britta angelaufen kam, meine mehr als peinliche Situation sah und mich dann mit Hilfe all ihrer vier Pfoten „entwickelte“.
Sie lachte mich aus. Die doofe Hundekuh *schmoll*

„Du wirst nie so elegant sein wie Onkel Kim, Wulli“, kicherte sie und als ich dann wieder in voller Länge auf meinen Pranken stand, musste ich auch lachen und die Stimmung war wieder ganz oben.

Kurze Zeit später kam dann auch noch die süße Käthe den alten Onkel Kim besuchen.
Käthe ist eine ebenfalls betagte Hundedame, die am Nürburgring wohnt.
Sie schreibt dem Senior öfter schon einmal E-Mails, die Onkel Kim mir dann auch immer vorliest.

Ja, so war der gestrige Tag eine einzige Wonne, was man ja nicht immer von einem Tierheimtag behaupten kann.

Komisch. Nun bin ich schon seit Juni letzten Jahres hier in Mayen und irgendwie scheine ich bisher noch gar nicht richtig angekommen zu sein. So mental meine ich.
Ich habe das Gefühl jeden Tag ein bisschen mehr zu leben, zu ERleben, zu lieben und dankbar zu sein.

Und besonders meine Gefühle Onkel Kim gegenüber, der mich so viel lehrt, obwohl er sich ja nur noch schwer mitteilen kann, wächst mehr und mehr.
Ich werde ihn beschützen so gut ich kann und für ihn da sein.

Nur, dass er mich angestachelt hat einen Purzelbaum zu machen, der mich dann letztlich als Rollmops aussehen ließ, das muss ich noch mal mit ihm ausdiskustieren :-)

Freuen wir uns des Lebens, Freunde!
Traurige Ereignisse gibt es genug und so darf man und muss man auch Glück und Freude zulassen um neue Kraft zu schöpfen.

Allen Kumpels, egal ob Katze oder Hund, die gestern vermittelt wurden wünsche ich ein glückliches und ganz, ganz langes Leben.

Mit einem frohen, ganz tiefen und langen „Hou, hou, hou“,

euer Wullibär!

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