Wilhelminchen


Das hab ich eigentlich noch nie erlebt.
Dass man den Tod als „schön“ bezeichnen könnte.

Susan sagte heute Morgen, dass unsere uralte Wilhelmine vergangene Nacht gestorben sei.
„Still und leise. Wie schön!“ sagte sie.

Wie schön?
Ich grusele mich vor dem Tod, hab aber dann den Nachruf von Wilhelmine gelesen.
Und seitdem denke ich nach.

Ich kannte Wilhelmine natürlich. Schließlich hab ich sie mal ziemlich heftig verbellt, was sie völlig zu ignorieren schien.
Auch weiss ich, dass das Ömchen fast 20 Jahre alt war. Das hat sie mir einmal erzählt.
Und wenn man so uralt ist und dann einfach für immer einschlafen darf wenn das Leben am Ende ist.
Hmm… ja. Ich glaube dann kann der Tod auch schön sein.
Schließlich lebt ja niemand ewig auf dieser Erde, was ja auch furchtbar wäre.

Also ist Wilhelminchen still und leise gestorben, weil sie es so wollte.
Ich muss nun zwar noch ziemlich lange nachdenken, doch schon jetzt glaube ich zu verstehen wenn es heisst dass der Tod auch „schön“ sein kann.

Was denkt ihr darüber? Ich glaube ihr wärt auch glücklich wenn eines Tages, wenn euer vierbeiniger Freund einmal ururalt ist, einfach einschlafen würde und ihr nicht entscheiden müsstet ihn einschläfern zu lassen.

Ich für meinen Teil nehme mir nun mal ganz feste vor, wenn ich so um die 19 Jahre alt bin, mich in meinen Korb zu legen, ein Schweineohr mitnehme, dieses schlabberig kaue und während dessen die Augen zu mache und auf die letzte Reise gehe.
Aber wie gesagt, das erst in rd. 14 Jahren ;-)

Ich schicke nun Wilhelminchen ein paar „gute Reise“- Gedanken und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie uns allen zu lächelt.

Euer Wullibär

Print Friendly
Zurück zu: Briefe von Onkel Kim
Zurück zu: Wullis wunderbare Welt