Ein dreimal Hoch auf 2012


Nun ist es da, das neue Jahr, liebe Freundinnen und Freunde. Und ich hätte vor ein paar Wochen gar nicht gedacht, dass ich Silvester überhaupt noch erleben würde.

Doch da ist ja die Geschichte mit dem Brandner Kaspar, die mir meine lieben Freunde aus Bayern geschrieben haben und seit ich diese Geschichte kenne, weiss ich wie man dem Tod doch immer wieder mal ein Schnippchen schlägt :-)

Aber jetzt zum „guten Rutsch“ ins neue Jahr vergangene Nacht.
Eigentlich hatte ich Wulli beauftragt eine Party auf die Beine zu stellen, aber er war sehr zögerlich, weil er in Spanien nie Silvester gefeiert hatte und er nicht wusste was es da alles zu planen gibt.
Und da es mir zum heiligen Glück im Moment relativ gut geht, nahm ich mir Wulli an die Pfote und los gings mit der Partyplanung.

Gestern Nachmittag wurden Büro und Küche entsprechend geschmückt und als ich begann das Buffet auf zu bauen, hatte sich Wulli bereits mit einer geklauten Hundewurst aus dem Staub gemacht.
Ich hätte es wissen müssen; dieser unverbesserliche Dieb.

Nadie kam mir dann zu Hilfe und gemeinsam erledigten wir dann noch alle anfallenden Festvorbereitungen.
Auf dem Foto seht ihr eine kleine Auswahl der lukullischen Kostbarkeiten, wie Spezialdosenfutter, frischer Jumbohundewurst, Hundetrüffel, Hundezigarren und natürlich Bier, Bier, Bier.
Letzteres darf ja auf keiner Fete fehlen, wie man noch gut von der letzten FußballWM weiss ;-)

Als dann alles soweit fertig war, setzte ich mir meinen Minizylinder auf den Kopf und konnte endlich meine Gäste begrüßen.
Eigentlich sollte dabei mein Kronprinz an meiner Seite sein, doch von dem fehlte jede Spur.
Ich hatte diverse Befürchtungen, die sich in Kürze bewahrheiten sollten.

Nadie hatte übrigens noch die Bürotür schön dekoriert, damit auch jeder gleich wusste was es zu feiern galt.
Schön, gelle!?

Aus dem Radio dröhnte das alte, aber immer noch hochaktuelle „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse…“ und schon hatten sich die bunt behüteten Tierheimbewohner zu einer munteren Polonaise formiert und ab gings.
Leider kann ich bei solchen Stimmungsausbrüchen nicht mehr aktiv mitmachen, aber das Lachen und Singen meiner Freunde machte mir so viel Freude, dass ich wieder richtig jung wurde.

Kurz darauf wollte ich feierlich das Buffet eröffnen als ich mit Schrecken sah, dass ein Teller bereits fast ganz geplündert war und auch heimlich Bier getrunken wurde.
Wer war das???
Ihr könnt es euch denken. Dafür kommt nur einer in Frage und der war nach wie vor wie vom Erdboden verschluckt, obwohl er so lang ist und sich unmöglich unsichtbar machen kann.

Fitzko bemerkte dass ich ungehalten war ob des Diebstahls und wollte mir mit seinem ehrlichen Blick klar machen, dass er unschuldig sei. Aber das wusste ich doch!
Sowas macht nur jemand der im Fach Diebstahl eine glatte Eins hat.

Nach dem offiziellen „Das Buffet ist eröffnet“ gab es kein Halten mehr.
Alle stürzten sich auf die Köstlichkeiten und jeder wollte das Beste ergattern. Da stehen wir Hunde den Menschen in nichts nach. Jeder ist sich selbst der Nächste wenn es um die Leckereien beim Buffet geht.

Ich kann das nicht so gut ab und finde das ist reine Völlerei. Zum Glück teilt Wocki diese Meinung mit mir, denn sonst hätte ich schon geglaubt, dass ich nicht ganz normal bin.
Wocki ist Susans langjähriger Lebenshundepartner und weiss sich wirklich zu benehmen. Zumindest meistens ;-)

Es vergingen ein paar wunderschöne, lustige Stunden und alle, aber auch wirklich alle Tierheiminsassen hatten viel Spaß.

Alco tanzte mit Josie, die mittlerweile zum Glück eine muntere und lebensfrohe Hündin geworden ist und Alco sehr gerne mag.

Struppi tat sich am Hundebier gütlich und tat so als ob er es gut vertragen würde.

Emil rannte wie verrückt laut singend über die Wiese im Vorgarten und machte andauernd Purzelbäume, wobei ihm seine riesigen Ohren im Weg waren und er meist anstatt wieder auf den Füßen auf dem Kopf landete.

Odey hatte bereits einen sitzen und fing an mit verdrehten Augen seine Locken zu zählen (du meine Güte!)

Strubbel blieb wie immer, der Souveränste von allen. Er behält in allen Lebenslagen Contenance, selbst wenn er, wie heute, ein paar Hundebierchen getrunken hat.

Ziemlich zurückhaltend war zunächst einmal Finn. Unser Großer. Dass er allerdings auch schon dem Hundebier reichlich zugesprochen hatte, konnte man ihm ansehen. Und genau als ich ihn ansah, hob er den Kopf und es entfleuchte ihm ein derart heftiger Rülpser, dass das kleine Kissen mit der Aufschrift „happy new year“ quer durch das Büro flog.
Heiliger Bimbam was hat der für´n Atü drauf!

Auch nebenan im Kleintierraum wurde gefeiert. Maiky hatte vor ein paar Tagen schriftlich zur Hip-Hoppelparty eingeladen, aber das war meinen Kumpels zu blöd.
Stell sich mal einer vor, wir Hunde alle bei Mümmels & Co. im Gehege. Und da gibts beim Buffet nur Möhren, Kohlrabi, Heu und so ein Gedöns.

Nein, sollen die bloß unter sich bleiben. Ich hab sie anstandshalber besucht um ihnen einen guten Rutsch zu wünschen und muss zugeben, dass sich Maiky auch ganz schön und erfolgreich bemüht hatte eine tolle Party auf die Hoppelfüße zu stellen.

In den Katzenzimmern ging es ein bisschen leiser zu als bei den gröhlenden und mittlerweile mehr als angesäuselten Hunden.
Für die Katzenparty war Seraphino verantwortlich und edel wie er ist, so edel war auch seine Veranstaltung.

Es gab Lachs, Truthahn, Ente, Rebhuhn und andere Köstlichkeiten zur lukkullischen Erbauung.
Und getanzt wurden nur beschwingte Walzer und Menuetts.
Passte zu den zarten Samtpfötchen. Muss ich schon zugeben.

Während ich leise die Tür zum Katzenzimmer schloß um die feiernde Katzengesellschaft nicht weiter zu stören, wartete Fitzko auf die Gunst der Minute ein weiteres Hundebier zu ergattern.

Auch Nadie hätte sehr gerne noch eins getrunken, aber gerade als er nach einer Flasche greifen wollte, kam Odey aus der hintersten Ecke des Hundehauses angetorkelt.

Odey hatte es voll erwischt. Volltrunken marschierte er vom Hundehaus durchs Büro in den Vorgarten und lallte laut:
„Ich bin die Cindy aus Marzaaahn und trink ein Bierchen dann und waaahn.“
Oh jeh, für ihn war der Abend wohl gelaufen :-)

Josie kam von der hinteren Hundewiese auch zu uns ins Büro. Sie habe mit Alco Tango getanzt, erzählte sie mit strahlenden Augen.
Oh Tango! Ja. Den tanzte ich einst auch leidenschaftlich gerne.

Erinnert ihr euch? Ich trug eine bordeauxrotfarbene Fliege mit goldenem Rand, hatte meine geliebte Emma im Arm und wir beide schwebten über die mainächtliche Wiese. Meine geliebte Emma.
Nie mehr tanzte ich seitdem sie tot ist. Und werde es auch nie mehr tun.

Doch heute gilt es zu feiern und nicht trübsinnig zu werden.
In nicht mal mehr einer halben Stunde beginnt das Jahr 2012 und das soll begrüßt werden.

Josie hatte Hunger, nachdem sie die halbe Nacht durchtanzt hatte und so schnabulierte auch sie vom noch immer reichlich gedeckten Tisch.

Nun war es bald soweit: Im Radio hieß es „Countdown“.
Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins….“Prosit Neujaaaahr!“

Jubel in den Katzenzimmern, Jubel im Kleintierraum und was machen meine Gäste?
Das glaubt man nicht!

Fitzko….besoffen….k.o

Finn…nix geht mehr.

Und die anderen? Ausser der sensiblen Josie, alle sturzbetrunken und von Wulli nach wie vor keine Spur.
Da nun alle ausser mir besäuselt waren, beschloss ich mir auch ein bisschen was hinter die Binde zu gießen.
Ein ganz klein wenig :-) Aber das war anscheinend schon zuviel *uff*

Und demjenigen der das nachfolgende Foto hier eingestellt hat, dem werde ich höchstpersönlich die Ohren so lang ziehen dass er, bzw. sie meint Emil zu sein!
Pietätlos! Kein Respekt vor dem Alter
Aber es war schööön :-) So ein winzig kleiner Rausch.
Was hab ich gut geschlafen :-)

Und heute Vormittag dann das „böse“ erwachen.
Überall Hunde mit dicken Köpfen. Katerstimmung im Hundehaus. Das gibts auch selten :-)

Und jetzt war auch Wulli wieder da. Und wie :-)
Ihm war nicht nur sauschlecht, sondern ihm tat die Rübe so weh, dass man ihm sein körperliches Leiden regelrecht ansah.

Er erzählte mit wimmernder Stimme, dass er sich in den Futtervorratsraum hat einschließen lassen und er dort mehrere Stunden „tätig“ war. Und dass das ja eigentlich ein komplettes Versehen war und er das gar nicht wollte.

Aber da er schon mal da drin war, habe er gefühlte 12 kg Trockenfutter verputzt, 5 Schweineohren, 1 Ochsenziemer, 1.020 Gramm getrocknetes Schlundfleisch und zum Nachtisch noch 6 Schälchen Katzenfutter mit Lachs und wildem Reis.
Runter gespült habe er das mit ungezählten Flaschen Hundebier und eines davon wäre so schlecht gewesen, dass er nun todkrank sei und sicher bald sterben müsse.

„Mein Kopf ist ein einziger Vorschlaghammer und meine Innereien ein einziger Mastbetrieb,“ jammerte er und Ruth lachte sich schibbelig.
Das geschieht ihm mal recht.
Trotzdem tat er Ruth ziemlich leid, obwohl der dieses Mitgefühl gar nicht verdient hatte.

Wulli durfte sogar auf die Couch und ehe er sich versah, hatte er einen Eisbeutel auf seinem Vorschlaghammer, der auch bald die ärgsten Schmerzen linderte.
Und als die Kompresse auf seiner Birne lag, schaute er auf und sagte:

„Und sag jetzt bloß niemand mehr Prost Neujahr!“

So war das also mit dem „Rutschen“, liebe Freundinnen und Freunde.
Die Tierheimtiere kamen gut ins neue Jahr, was ich von euch allen auch hoffe!

Für 2012 wünsche ich euch:
Bleibt gesund! Bleibt zufrieden! Erkennt das Glück das euch begleitet, auch wenn ihr es nicht gleich seht.
Bleibt mitfühlend! Bleibt dem Tierheim Mayen treu!

Von ganzem Herzen,
euer Onkel Kim und sein „wulliger“ Kronprinz :-)

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