Wullis Flüstertüte vom verregneten Freitag, 11.08.2017


Barry

Leute, ich bin schlecht gelaunt. Jawoll! Bin ich ja eher nimmernie, aber im Moment geht mir der Schnürlregen dermaßen auf den Senkel, dass ich echt überlege wieder nach Spanien aus zu reisen. Dort wo ich her komme. Aber meine Tierheimmenschen haben mir Fesseln angedroht, wenn ich mein Schweineohrköfferchen packen würde. Also bleibe ich hier und sitze dieses Shitwetter aus.

Auch geht mir aufs Gemüt, dass so einige unserer Hunde schon so lange im Tierheim Mayen sitzen und irgendwie vergessen werden. Es schaut einfach niemand hin, obwohl sie es soooo besonders verdient hätten, endlich in ihr Lebensglück zu gelangen (Ui, ich kann mich aber gediegen ausdrücken, wie ich gerade feststelle ;-) )

Momentan haben wir ja die beiden Zuckerschnuten Tina und Errika bei uns. Sie kamen am letzten Mittwoch aus Kreta zu uns. Gut 4 Monate alt und zum anbeissen schnuckelig. Und am 17.8., also nächste Woche, kommen Zira und Zara (das sind Geschwisterchen) und die strubbelige Charis aus Teneriffa zu uns. Ebenfalls gerade mal 4 Monate jung. Da ist es ja normal dass die Leute Herzchen in die Augen bekommen und „aaahh wie goldig“ fiepsen. Geht mir ja auch so. Aber nur ganz kurz, weil ich dann direkt wieder an meine im wahrsten Sinne des Wortes, dicke Freundin „Katie“ denke. Und vor allen Dingen an Barry, den ihr hier auf dem Foto seht.

Barry ist einer der „vergessenen“ Hunde, von denen ich eingangs schrieb. Er ist schon seit dem 10. Juni diesen Jahres bei uns und irgendwie wir er immer trauriger.
Er kam aus Bulgarien zu uns, wo er ein miserables Leben führen musste. Einstmals wurde er von der Straße eingefangen und wurde von einem Shelter (das sind mehr schlecht als rechte Tierheime) ins andere geschoben. Schließlich landete er in Sofia und da wir schon seit vielen Jahren mit einer Tierschutzorganisation vor Ort super zusammen arbeiten, hatte er die Chance zu uns nach Mayen zu kommen.

Himmel, war das ein Häufchen Elend als er ankam. Angst, Angst, Angst ohne Ende. Das Entsetzen stand ihm in den Augen und er ließ sich überhaupt nicht anfassen, geschweige denn anleinen und Gassi führen.

Die anderen zwei Hunde die mit ihm kamen, fanden ruck zuck ein neues Zuhause, aber Barry rutschte immer mehr aufs Abstellgleis. Sein trotz allem, großes Glück ist, dass uns einige sehr geduldige Menschen besuchen, die sich um zurückhaltende Katzen und scheue Hunde kümmern. Stunden um Stunden investieren sie um den Tieren Vertrauen zu geben. Damit sowohl die Katzen, als auch Hunde wie unser Barry, unsere Mina und Mochi, Berührungen von Menschen zu zu lassen und sie letztlich sogar genießen.

Und so hat auch Barry gelernt, dass es unglaublich schön und wohltuend ist, von Menschen geknuddelt zu werden. Und was soll ich euch sagen!?
Mittlerweile ist Barry ein wahrer Knutschhund geworden. Er geht mit Begeisterung Gassi, wobei er allerdings vor Autos, Traktoren und ähnlichem noch ziemliche Angst hat. Aber das sind ja Peanuts. Wenn man zu ihm ins Gehege geht, meint er zunächst mal wieder etwas auf Abstand zu gehen, doch wenn die Menschen sich dann „klein“ machen, sprich, sich hin hocken,

oder auf die Holzliege setzen, dann kommt er sofort, gibt Pfötchen und drückt sich ganz feste an den Menschen um ja viel Nähe zu bekommen.

Ich habe heute den Barry in den Flüstertütenfocus gesetzt, damit er endlich mal gesehen wird. Es gibt sie doch, die Menschen die ältere Tiere lieben und ihnen ein spätes Glück schenken. Ein Hund wie Barry, der die Straßen in Bulgarien, die gruseligen Shelter dort überlebt hat, der muss doch bitte, bitte endlich einmal ankommen.

Ich selbst war ja auch 6 Jahre lang in einem Tierheim in Südspanien bevor ich nach Deutschland kommen durfte. Ich weiss wie die Seele leidet, wenn man ein Niemand ist, der kaum Hoffnung auf ein hundegerechtes Leben mit lieben Menschen hat. Auch wenn ich so cool rüber komme und es mittlerweile ja auch bin, bleibt immer eine Narbe in der Seele und im Herzen von der Leidenszeit.

Und genau aus dem Grund, weil ich weiss wie sich Hoffnungslosigkeit an fühlt, gebe ich hier und jetzt meinem Freund Barry meine ganz laute WulliStimme.

Barry2

Wo seid ihr, ihr ruhigen, geduldigen, ältere Hunde liebenden Menschen? Wo seid ihr? Barry wartet auf euch im Tierheim Mayen. Er wartet in Mayen seit dem 10.6. und er wartet schon sein ganzes, trauriges Leben lang.

Es müsste doch mit dem Teufel zu gehen, wenn sich niemand für ihn finden würde. Und da ich dem Teufel in seinen freurigen Hintern treten würde, wenn er auf taucht, bin ich hoffnungsvoll, dass Barry einen Engel hat, der ihn und sein trauriges Herzchen und seine traurige Seele so lange beschützt, bis dass er aus dem Tierheim Mayen für immer ausziehen kann.

Ausziehen in ein Leben voller Liebe und voller Glück. Späte Liebe ist allemal besser als niemals eine solche erfahren zu dürfen.
Und das eine sage ich euch. DIE Menschen, die meine WulliStimme für Barry hören und ihm endlich ein Zuhause schenken, die bekommen nicht nur eins, die bekommen sage und schreibe ZEHN eigens von mir höchstselbst angelutschten Schweineohren geschenkt.

Echte WulliFans wissen, dass das die höchste Auszeichnung ist, die ich als Tierheim Bürochef und Alleskümmerer überreiche.

Also. Ran an die Hilfe für Barry. Ran an die Suche und an das Finden für Barrys späte Liebe. Er ist 9 Jahre alt und hat noch gut und gerne 7 bis 8 Jahre Lebenszeit vor sich. Soll er die noch im Tierheim verbringen müssen?
Ich kann nur ganz laut bellen „NEIN!“

Vorerst danke für eure Aufmerksamkeit und ich bin schon jetzt ganz aufgeregt ob „Barry in der Traurigkeit“ zum „Hans im Glück“ wird.
Bitte gebt dem vergessenen Schatz eine Chance!

Meine Wenigkeit zieht sich nun die den Winterschlaf zurück und ich gucke mal ob irgendwo eine Braunbärhöhle frei ist. Dieses Wetter ist einfach nur bäähh und ich hab darauf keinen Bock.

Ihr meine Lieben, macht euch nen schönen heissen Tee, oder nen Glühwein und es euch beim lodernden Kamin auf der Couch gemütlich. Alles andere wäre bei dieser Wetterlage doof.

Wulli traurig

Ich schnarch mich dann mal weg *gääähn* und gebe euch allen einen herzhaften „gute Nacht Schlabber“,
euer Wulli

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