Franziska – unvergessen


Gestern nun hast Du Deine letzte Reise angetreten. Seit ein paar Tagen schon hattest Du keine Kraft mehr, aber wolltest den Kampf noch nicht aufgeben…Die letzten Nächte habe ich bei Dir auf dem Boden verbracht (Du wolltest es so, wolltest, dass ich bei Dir bin). Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass Du einschlafen kannst, einschlafen und nicht mehr aufwachen….Du hast selten die wirkliche Nähe gesucht…aber nun hast Du Deinen kleinen Kopf in meine Hand vergraben, hast geschnurrt und immer wieder zu mir aufgeschaut. Am späten Abend merkte ich, dass Du den Weg nicht ohne Hilfe schaffen würdest…und so bist Du bei unserer Tierärztin in meinen Armen eingeschlafen. Ich wünschte oft, ich wäre stärker…weil das Sterben ja zum Leben dazu gehört….aber man darf in solchen Momenten auch schwach sein und einem Tier somit sagen „Ich hab Dich lieb“. Franzi…Du warst eine tolle Persönlichkeit und ich danke Dir für vier Monate und neun Tage, in denen ich einer uralten blinden und tauben Katze zeigen durfte, was es heißt „Zuhause zu sein“

<Rasse: Europäisch Kurzhaar
Geschlecht: weiblich, kastriert?
Alter: schon sehr alt
geeignet als: Freigänger/Wohnungskatze
Im Tierheim seit: 15.10.15

Beschreibung

17.12.15:
Hallo Ihr unten im Tal,

heute habe ich die Frau die mich versorgt mal dazu gebracht, Euch ein paar Zeilen zu schreiben.
Hat ja auch lange genug gedauert und wahrscheinlich denkt ihr, ich bin schon längst zu den Engeln geflogen. Aber nein….ich bin noch da.
Zugegeben, anfangs hatte ich das selbst kaum für möglich gehalten. Ausgezehrt und abgemagert, blind und taub hat mich eine freundliche junge Frau direkt von der Strasse aufgesammelt.
Da ich in keinem guten Zustand war, musste ich einige Tage stationär versorgt werden und durfte dann für eine kurze Zeit bei Euch im Tierheim wohnen. Irgendwann bin ich schließlich hier gelandet und die Frau hat versprochen, dass ich nun bis zum Ende meiner Tage bleiben darf.
Sie scheint ganz nett zu sein…jedenfalls bemüht sie sich….serviert mir gutes Futter und hält akribisch mein Katzenklo sauber.
Wenn mir mal danach ist, streichelt sie mich und das tut gut. Immer kann ich das allerdings nicht verknusen, dann sag ich ihr das ….und gut ist.
Da mir die alten Knochen manchmal zu schaffen machen und ich mich beim Hinlegen schwindelig drehen musste, um eine passendes und schmerzfreies Liegeplätzchen zu finden, hat sie mir ein Dinkelkissen gekauft. Leute ich kann Euch sagen….das ist eine super Sache. Da rolle ich mich 95 % des Tagesgeschäftes drauf rum, ohne das mir was weh tut.
Die anderen 5 % bin ich auf Futtersuche und, wie oben erwähnt, macht die Frau hier mir die Suche nie schwer :-)
Anfangs war ich futtertechnisch ziemlich mäkelig und auch die Häufchen wollten nicht aus mir raus. Ich hatte ganz schöne Bauchschmerzen…. ohne Laktulose ging gar nix und nach fünf Tage ohne Verdauung hat die Frau mich zum Tierarzt gebracht, der mir eine Darmspülung verpasste. Autsch….schön war das nicht…aber was muss das muss.
Inzwischen klappt auch die Entleerung hilfsmittellos und das Futter schmeckt mir meistens gut.
Jeden Abend nehme ich meine Blutdrucktablette (natürlich eingerollt in Leberwurst) und geniesse das Seniorendasein.
Da sie mir hier in meinem Privatbereich verschiedene Untergründe geschaffen haben, kann ich mich übrigens, trotz meiner Blind- und Taubheit, richtig gut orientieren.
Habe hier Alle im Griff und das hab ich mir verdient!
Allen anderen Katzenomas und -opas da draussen wünsche ich zu Weihnachten eine ebenso schöne letzte Zeit, mit einem Dinkelkissen und gutem Personal.

Und Euch lieben Tierheimmenschen wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit und Alles erdenklich Gute im neuen Jahr.

Eure Kratzbürste Franzi

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