Topcho – unvergessen


Lieber Topcho,
nun ist es schon ein Jahr her, dass wir dich gehen lassen mussten, als deine Seele entschied, unsere Welt zu verlassen.
Wir brauchten lange Zeit, um alles zu verarbeiten und fühlen uns heute noch beim Verfassen dieses Nachrufes wie gelähmt.
Wir sind es dir aber schuldig, dass du nicht in Vergessenheit gerätst, sondern uns so in Erinnerung bleibst, wie wir dich kennenlernten…

Vom 30.03.-01.04.2015 besuchten Susanne und ich die Deutsch-Bulgarische Straßentier-Nothilfe mit dem Ziel, die dortige Tierschutzarbeit unserer bulgarischen Freunde mit eigenen Augen mitzuerleben und die von ihnen geführten Tierheime in Rousse und Sofia zu besichtigen.
Am Tag unserer Abreise lernten wir dich, Topcho, kennen. Du warst im Innenbereich des Tierheimes in Sofia untergebracht. Als wir den gefliesten Innenzwinger betraten, in dem du mit weiteren Hunden untergebracht warst, wurde uns ganz schnell bewusst, welch ein wunderbarer Hund du bist. Du kamst aufgeschlossen und voller Freude auf uns zu und suchtest sofort die Nähe und Aufmerksamkeit. Deine Augen und vor allem die deiner Pfleger leuchteten, als sie von dir und deiner Geschichte erzählten. Du wurdest, bevor du in die Obhut der DB Straßentiernothilfe kamst, von einem Auto erfasst und dein Beinbruch mittels einer OP versorgt. Deine Pfleger berichteten, wie toll du dich erholtest und nun endlich bereit seist, ein neues Zuhause zu finden.
Wir hatten circa 5 Minuten mit dir verbracht, in denen du sofort Susannes und mein Herz erobertest. Als Susannes und mein Blick uns beim Verlassen deines Zwingers trafen, war bereits entschieden, du durftest noch heute mit uns Sofia und das dortige Tierheim verlassen.
Auf unserem Rückflug zurück nach Deutschland konnten zwei Hunde mitgenommen werden, wovon du einen Platz sicher hattest – neben Dobby, einer Hündin, die im Außenbereich des Tierheimes alles gab, um uns von ihrem witzigen, lebendigen Wesen zu überzeugen.
So kamst du nun zu uns nach Mayen und wir hatten fest vor, deine Familie und dein „Für immer-Zuhause“, welches du dir so sehr verdientest, zu finden. Du lebtest dich wunderbar in unseren Tierheimalltag ein, hattest einen Herzensbrecherblick wie kein anderer und verzaubertest alle Gassigänger mit deinem absolut liebenswerten Wesen. Es brauchte nur Sekunden, um sich in dich zu verlieben und umso mehr schmerzte es, dich gehen zu lassen.
Wenige Wochen nach deiner Ankunft durften einige deiner Hundekumpels aus Sofia ebenfalls zu uns nach Mayen kommen. Du teiltest dir ein Gehege mit ihnen, lagst mit ihnen auf einem Bettchen und bist gemeinsam mit ihnen spielend über die Wiese geflitzt. Alles schien für uns gut zu sein und doch passierte etwas Schlimmes, was uns heute noch den Boden unter den Füßen wegreißt.
Wir machen uns große Vorwürfe darüber, dass wir nicht den Auslöser für die Beißerei zwischen dir und den anderen sahen, die am frühen Morgen passierte. Wir brachten dich umgehend zum Tierarzt, deine äußeren Wunden wurden versorgt und schon nach wenigen Tagen Klinikaufenthalt durftest du in eine liebe Pflegestelle ziehen, die dich päppelte. Du kamst uns sogar im Tierheim besuchen, bist aus dem Auto gesprungen und hast dich gefreut wie Bolle. Wie glücklich waren wir in diesem Moment, dass du alles gut überstanden hattest, doch er währte nur einen kurzen Augenblick.
Am Abend schien es dir wieder schlechter zu gehen, von jetzt auf gleich verweigertest du dein Essen und deiner Pflegemama blieb nichts anderes übrig, als dich zum Tierarzt zu bringen. Dort wurdest du mit allem Nötigen versorgt, hattest eine Rundum-Betreuung. Die Tierpflegerinnen schlossen dich, wie wir, schnell in ihr Herz und versuchten alles Mögliche, damit es dir bald wieder besser ging. Wir besuchten dich vor und nach der Arbeit bis in die späten Abendstunden. Stundenlang saßen wir neben dir, streichelten sanft dein Köpfchen, hielten deine Pfote und sprachen dir zu und baten dich, all deinen Lebenswillen dafür einzusetzen, wieder gesund zu werden.
Es vergingen Tage des Hoffens und Bangens, bis du dein Fressen komplett einstelltest und wir alle Supermärkte der Stadt aufsuchten, um das zu finden, was dir wieder Kraft verschaffen sollte. Wurst, Käse, Pudding, frisch Gekochtes, Babygläschen, ach wir probierten einfach alles aus….
Wir und die Ärzte verstanden es einfach nicht…deine äußeren Wunden verheilten gut, doch dein kleines Seelchen war es, welches so verletzt war, dass all die medizinische Hilfe nichts mehr brachte.
Ich saß bei dir, während dein Pflegefrauchen wieder losfuhr, um nochmal die Supermarktregale nach dem zu durchstöbern, was wir noch nicht ausprobierten. Du standest auf, wolltest gehen, ich wusste nur nicht wohin…eine Tierarzthelferin und ich halfen dir auf und wir gingen ein paar Schritte auf und ab und ein Hoffnungsschimmer machte sich breit.
Doch du befandest dich schon auf dem Weg in eine Welt, in der du keine Schmerzen mehr haben solltest, was wir Menschen noch nicht erkannten. Du legtest dich wieder hin und kurze Zeit später, ich streichelte wieder sanft deine Wange und hielt deine Pfote, bist du von uns gegangen. Es ging einfach alles viel zu schnell…
Tränen laufen über meine Wangen, während ich dies schreibe, doch du warst nicht alleine, lieber Topcho, als du gingest. Wir versuchten dir zu helfen und alles in unserer Macht Stehende zu tun, damit du es schaffst, doch es ist uns nicht gelungen.
Wir danken dir, Topcho, für die schönen, unvergesslichen Momente, die wir mit dir erleben durften. Angefangen ab dem Moment, als wir dich das erste Mal sahen und uns dieser Zauber erreichte, der uns bewog, dich mitzunehmen und dir ein besseres Leben zu versprechen.
Wir entschuldigen uns bei dir, dass wir nur eine kurze Zeit miteinander hatten. Doch diese Zeit war intensiv, voller Lebensmut, Freude, Spaß, Geborgenheit, Liebe und Fürsorge, die all unsere Tierheimmitarbeiter und Gassigänger dir schenkten.
Topcho, du warst etwas ganz Besonderes!


Rasse: Mischling
Geschlecht: männlich, kastriert
Alter: geb.ca 2011
Schulterhöhe: ca 45 cm
Im Tierheim seit: 01.04.2015

Beschreibung

Er hatte es auch nicht leicht in Bulgarien, hat einen Beinbruch hinter sich, der aber gut verheilt ist und der ihm keine Probleme macht. Er ist sehr lieb und verschmust und verträglich. Wir könnten uns gut vorstellen, dass er auch als Zweithund glücklich wäre, damit er einen Freund hat an dem er sich orientieren kann.

Er und Dobby kamen aus Bulgarien zu uns. Ein Bericht über die Bulgarienreise von Kristina und Susanne wird in den nächsten Tagen hier online gehen.

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